23. März 2013

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Die Ärzte warnen vor Rationierung

WIEN (SN). Für die Ärztekammer ist es ein Vorgeschmack, was den Patienten in Österreich noch bevorsteht. So reagiert die Interessenvertretung auf die Diskussion, dass in den Spitälern des Landes Oberösterreich die nach Ansicht vieler Experten derzeit besten und haltbarsten Hüftprothesen für maximal fünf Prozent der Patienten kontingentiert werden sollen. Der Präsident der österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger, sagt, dass „dies einen Vorgeschmack darauf gibt, wie die Verwalter öffentlicher Gelder auf Kosten von Patienten den Rotstift bei der Versorgungsqualität ansetzen, und nicht mehr die Ärzte nach den Bedürfnissen der Kranken und dem aktuellen Stand der medizinischen Entwicklung entscheiden dürfen“. Die Kammer sagt, dass sie mit großer Sorge beobachte, dass Krankenkassen auch im niedergelassenen Bereich auf Ärzte massiven Druck ausübten, wenn angeblich zu teure Medikamente häufig verschrieben würden.

 

Bei Hüfte und Knie wäre viel zu sparen

Operation. Erhalten in Zukunft wirklich nur noch wenige Patienten teure Prothesen? Oder geht es darum, durch einen gebündelten Einkauf von Medizinprodukten offenbar überhöhte Preise zu drücken?

Von Fritz Pessl
Einsparungen ja, aber keinesfalls auf Kosten der Patienten. Das ist der einhellige Tenor auf einen Bericht im ORF-Radio, wonach die haltbarsten und damit auch teuersten Hüftprothesen in Oberösterreich künftig kontingentiert werden sollen. Demnach steht in einem internen Protokoll des Spitalsträgers OÖ. Gesundheits- und Spitals AG (gespag): „Maximal fünf Prozent aller Patienten werden mit Keramik-Paarungen versorgt.“ Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) meinte dazu: „Welches Arzneimittel oder Medizinprodukt eingesetzt wird, ist nach medizinisch-fachlichen, nicht nach ökonomischen Kriterien zu entscheiden.“

Die gespag stellte daraufhin klar, dass es sich um keine Kontingentierung, sondern um „eine mögliche Zielschätzung für diesen Bereich“ handle. Keramikprothesen zeigten in internationalen Registern keinen messbaren Mehrwert, erklärte Vinzenz Auers perg, Projektleiter einer gespag-Arbeitsgruppe und Orthopädieprimar im Spital Steyr-Kirchdorf. „Hochvernetztes Polyethylen ist eine absolut gleichwertige Alternative.“ Die Entscheidung, welche Prothese die beste für den jeweiligen Patienten ist, treffe letztlich immer der operierende Arzt.

Faktum ist: In den gespag-Spitälern werden derzeit im Jahr 1700 Hüft- und 1500 Knieprothesen implantiert. Die Materialkosten für diese Endoprothesen betragen rund sieben Mill. Euro. Derzeit beliefern zehn Medizintechnik firmen die gespag-Spitäler mit den verschiedenen Materialien. Diese Lieferanten stehen nun auf dem Prüfstand. Ziel ist es, im Zuge des Standardisierungsprojekts 700.000 Euro einzusparen, sprich zehn Prozent. Hinter vorgehaltener Hand war aus der gespag zu hören, die Medizintechnikfirmen hätten unaufgefordert Preisnachlässe von insgesamt 300.000 Euro angeboten, um weiterhin mit dem Spitalsträger im Geschäft zu bleiben. Aus welchen Gründen auch immer haben einzelne Ärzte offensichtlich großes Interesse, Prothesen von bestimmten Herstellern einzusetzen. Die gespag erklärte, sie sei gesetzlich verpflichtet, alle für Patienten relevanten Bereiche regelmäßig zu überprüfen, „dazu zählt auch die Prüfung gleichwertiger Alternativen“.

Bei der NÖ Landeskliniken Holding (NÖLKH) wird die Bündelung des Einkaufs seit dem Vorjahr umgesetzt. Der Auftrag war öffentlich ausgeschrieben worden. Statt ursprünglich zehn Anbieter gibt es jetzt drei Hauptlieferanten für 5000 künstliche Hüft- und Kniegelenke, die pro Jahr eingesetzt werden. „Wir sparen uns 2,8 Mill. Euro, 38 Prozent bei Hüften und 26 Prozent bei Knien“, betonte Helmut Krenn, kaufmännischer Chef der NÖLKH. Statt budgetierter 12,6 Mill. Euro betrugen die Materialkosten 9,8 Mill. Euro – ohne Qualitätsverlust.

Auf die einzelne Prothese umgerechnet heißt das, Niederösterreich zahlt 19.600 Euro und Oberösterreich fast 21.900 Euro.

Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, hält einen zentralen Einkauf in den Bundesländern für notwendig, um Einsparungen zu erzielen. „Neben Prothesen ist auch bei Herzkatheter und Herzklappen noch sehr viel drinnen“, sagt Bachinger. Rationierungen und Kontingentierungen seien aber der falsche Weg. „Jeder Patient hat das Recht, das Angemessene und Zweckmäßige für sich zu erhalten. Es kann nicht sein, dass ab dem Sommer bestimmte Hüften nicht mehr verfügbar sind.“